Wie oft ist zu oft? Wiederkehrende Mandelentzündung beim Kind
Nicht jede Halsentzündung ist eine bakterielle Mandelentzündung (Tonsillitis); viele Verläufe sind viral und heilen ohne Antibiotikum aus. Für die Beurteilung zählen dokumentierte Episoden mit Fieber, Belägen und ärztlicher Untersuchung, nicht jeder Halsschmerz.
Als Anhaltspunkt dient die Zahl ärztlich dokumentierter Episoden in zwölf Monaten: Bei weniger als drei Episoden wird beobachtet. Bei drei bis fünf Episoden pro Jahr kann eine Mandelentfernung besprochen werden, wenn dieses Muster über mehr als ein Jahr anhält. Ab sechs Episoden in zwölf Monaten wird sie häufig empfohlen. Entscheidend bleibt der Gesamtverlauf, etwa Schulfehltage oder wiederholte Antibiotikatherapien.
- Fieber, Halsschmerzen, Beläge auf den Mandeln
- Geschwollene Lymphknoten am Hals, Schluckbeschwerden
- Wiederholte Antibiotikatherapien, häufige Fehltage
- Bei Kindern unter drei Jahren immer ärztliche Abklärung
Mandelverkleinerung oder Mandelentfernung?
Stehen sehr große Mandeln mit behinderter Atmung, Schnarchen oder Schluckproblemen im Vordergrund, kommt meist die Mandelverkleinerung (Tonsillotomie) in Betracht: Es wird nur der überstehende Anteil abgetragen, das Nachblutungsrisiko ist geringer als bei der vollständigen Entfernung.
Stehen dagegen sehr häufige, ärztlich dokumentierte Entzündungen im Vordergrund, wird die vollständige Mandelentfernung (Tonsillektomie) geprüft. Beide Eingriffe erfolgen in einer Klinik in Vollnarkose; welcher Weg im Einzelfall geeignet ist, hängt vom Befund ab und wird ohne Zusage eines bestimmten Ergebnisses besprochen.
Was passiert in der Ordination?
Untersucht werden Mund, Rachen, Nase und Ohren; bei nächtlichen Beschwerden werden zusätzlich die Polypen (Adenoide) beurteilt, weil sie oft mitbeteiligt sind. Bei Bedarf erfolgen Abstrich, Hörtest oder eine Zuweisung.
Anschließend bespreche ich mit den Eltern, ob Beobachtung, konservative Behandlung oder eine Vorstellung in der Klinik der nächste Schritt ist.