Welche Beschwerden sind typisch?
- Pochende oder stechende Ohrenschmerzen, oft nachts stärker
- Druckgefühl und dumpfes Hören auf dem betroffenen Ohr
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Bei kleinen Kindern: Weinen, Unruhe, Greifen ans Ohr, schlechter Schlaf, Trinkschwäche
- Flüssigkeit oder Eiter aus dem Ohr, wenn das Trommelfell eingerissen ist – die Schmerzen lassen dann oft plötzlich nach
Wie wird eine Mittelohrentzündung festgestellt?
Am Anfang stehen Fragen zu Dauer, Fieber, vorangegangenem Infekt und früheren Ohrentzündungen. Danach wird das Trommelfell mit dem Ohrmikroskop beurteilt: Rötung, Vorwölbung oder Flüssigkeit dahinter sprechen für eine Entzündung.
Ergänzend können eine Messung der Trommelfellbeweglichkeit (Tympanometrie) und ein Hörtest sinnvoll sein. Nase und Rachen werden mituntersucht, weil vergrößerte Rachenmandeln (Polypen/Adenoide) bei Kindern häufig an wiederkehrenden Entzündungen beteiligt sind.
Wie wird sie behandelt?
Viele akute Mittelohrentzündungen heilen innerhalb weniger Tage ab. Im Vordergrund stehen Schmerzlinderung und Fiebersenkung sowie abschwellende Maßnahmen für die Nase nach ärztlicher Anweisung.
Ein Antibiotikum ist nicht in jedem Fall nötig. Ob es eingesetzt wird, hängt vom Befund, vom Alter, von der Schwere der Beschwerden und vom Verlauf ab – das wird bei der Untersuchung gemeinsam besprochen. Eine Kontrolle nach einigen Wochen ist sinnvoll, wenn das Hören dumpf bleibt.
Wann ist rasche Hilfe nötig?
Bei Schwellung, Rötung oder abstehendem Ohr durch eine Schwellung hinter dem Ohr, bei Gesichtslähmung, starkem Schwindel, starken Kopfschmerzen, Nackensteife, Benommenheit oder hohem Fieber bei einem Säugling ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich – im Notfall 144 (EU-weit 112).
Wiederkehrende Mittelohrentzündungen und Paukenerguss
Treten Mittelohrentzündungen mehrmals im Jahr auf oder bleibt nach der Entzündung Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Paukenerguss), wird nach begünstigenden Faktoren gesucht, etwa vergrößerten Polypen (Adenoiden), Allergien oder einer gestörten Belüftung der Ohrtrompete. Bei Kindern wird dabei auch auf die Hör- und Sprachentwicklung geachtet; falls ein Eingriff sinnvoll sein könnte, erfolgt eine Zuweisung an eine Klinik.